Noch ist Polen nicht verloren oder das (subjektive) polnische ABC: D wie Diminutiv

D wie Diminutiv

Dem Diminutiv verdankt man, dass aus einer Maus ein Mäuschen, aus einem Haus ein Häuschen und aus einem Buch ein Büchlein oder aber aus einem Bub ein Büberle wird. Diminutivformen, auch Verkleinerungen oder Verniedlichungen genannt, sind zwar im Deutschen nicht selten, aber im Polnischen wahrhaft allgegenwärtig und immer möglich. Und so wird entsprechend den deutschen Beispielen aus einer mysz eine myszka oder mysia, aus einem dom ein domek oder domeczek, aus einer księga eine książka oder książeczka, und aus einem chłopak ein chłopiec oder chłopczyk.
Wirklich spannend wird es aber erst bei polnischen Vornamen und zwar sowohl im Privat- als auch im Geschäftsleben. Eine Katarzyna (polnische weibliche Vornamen enden traditionell auf -a) wird in Polen überlicherweise Kasia oder Kasieńka, eine Anna hingegen Ania, Aneczka oder Anulka und ein Mirosław – Mirek genannt.
Ich selber wurde zu Hause so gut wie nie mit Aleksandra angesprochen (und wenn, dann wusste ich, es wird richtig ernst ;-) ), sondern mit Ola, Oleńka oder Olcia. Offizielle, dem jeweiligen Namen zugeordnete Kosenamen, sind in Polen sehr verbreitet. Wer hier an solche deutsche Parallelen wie Michael – Michi oder Josef – Sepp denkt, liegt zwar nicht falsch, wird aber von dem Ausmaß dieses Phänomens im Polnischen richtig überwältigt sein, denn für jeden Vornamen gibt es mehrere Varianten und die Kosenamen kennen keine Abgrenzung zum Geschäftlichen und Dienstlichen. Eine polnische Mitarbeiterin namens Barbara Kowalska wird von ihren Kollegen und Geschäftspartnern nie mit pani Kowalska (Frau Kowalska), sondern mit pani Basia und ihr Kollege Dariusz Nowak mit pan Darek angesprochen. Es ist ein schönes Zwischenstadium zwischen Siezen und Duzen, welches man am besten wahrscheinlich als vertrautes Siezen bezeichnen könnte. Ein angenehmer Bestandteil polnischer Kultur, den man im Deutschen manchmal ein bisschen vermissen kann.

*Mit den Worten „Noch ist Polen nicht verloren” (Jeszcze Polska nie zginęła) beginnt die polnische Nationalhymne Mazurek Dąbrowskiego.
Im Deutschen wird mit diesem Satz zum Ausdruck gebracht, dass eine fast hoffnungslose Situation doch noch gerettet werden kann (jegliche Ähnlichkeit mit der polnischen Geschichte sowie der Geschichte rund um die polnische Nationalhymne ist hier selbstverständlich kein Zufall).

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