Noch ist Polen nicht verloren oder das (subjektive) polnische ABC: F wie fantazja

F wie fantazja

Polska fantazja (polnische Phantasie) ist ein fester Bestandteil der polnischen Kultur, eine Tradition, die in vielen Bereichen des Lebens zum Tragen kommt. Darauf ist man auch stolz.
Polen möchten gerne als charmant, ja als „Italiener des Nordens“, betrachtet werden. Damit hing möglicherweise der noch bis vor kurzem weit verbreitete und jetzt schon sehr rar gewordene Handkuss zusammen. Der Pole ist auch in jeglicher Hinsicht kreativ. Er lässt sich durch nichts überraschen und findet immer einen Plan B, C, D… usw. Spontan, versteht sich, denn das erlaubt ihm das immer zuverlässige Improvisationstalent. Durch die schmerzhaften und nicht einfachen historischen Erfahrungen wie die Teilungen Polens oder die Zeit des Kommunismus nach dem 2. Weltkrieg hat sich diese wunderbare polnische Fähigkeit entwickelt, manchmal auch etwas aus nichts zu zaubern und einfallsreich zu sein, um auch in allem Anschein nach hoffnungslosen Lagen einen Ausweg zu finden und zu überleben. Sprachlich ist dies stark mit dem polnischen Verb kombinować verbunden, welches so viel wie etwas beschaffen, etwas organisieren, aber gleichzeitig auch sich etwas einfallen lassen und tricksen oder sich durchlavieren bedeutet. Das System, die aufgezwungenen Regeln auszutricksen, war lange ein polnisches Spezialgebiet. Eine weitgehende Entartung dieser Fähigkeit könnte man ansatzweise vielleicht auch in der polnischen Kriminalität sehen (mit der ich als beeidigte Dolmetscherin und Übersetzerin für Polnisch immer wieder zu tun habe).

Aber seien Sie vorsichtig! Genauso gut werden Sie auch solchen Polen begegnen, die sehr gut organisiert, ja durchorganisiert sind, und Regeln regelrecht lieben, und damit auch den perfektionistischsten und Ordnung liebenden Deutschen weit übertreffen;)

*Mit den Worten „Noch ist Polen nicht verloren” (Jeszcze Polska nie zginęła) beginnt die polnische Nationalhymne Mazurek Dąbrowskiego.
Im Deutschen wird mit diesem Satz zum Ausdruck gebracht, dass eine fast hoffnungslose Situation doch noch gerettet werden kann (jegliche Ähnlichkeit mit der polnischen Geschichte sowie der Geschichte rund um die polnische Nationalhymne ist hier selbstverständlich kein Zufall).

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