Übersetzer, Dolmetscher, Sprachmittler – wer ist wer, wer macht was?

Übersetzer, Dolmetscher, Sprachmittler – wer ist wer, wer macht was?

In meiner Tätigkeit als Dolmetscherin und Übersetzerin für Polnisch und Englisch werde ich beinahe tagtäglich mit der Verwirrung über diese drei Begriffe in meiner Branche konfrontiert.
Ein Kunde, der eine beglaubigte Übersetzung einer Urkunde brauchte, fragte mich kürzlich: „Könnten Sie dieses Dokument ins Polnische verdolmetschen?“. Kurz darauf schickte mir ein anderer Kunde eine Anfrage, ob ich bei einer Konferenz „simultan übersetzen“ könnte. Natürlich verstehe ich, was diese Kunden in Wirklichkeit meinen. Zum Glück, denn so ausgeführte Aufträge würden ihnen nicht viel Nutzen bringen.
Begriffe Übersetzer, übersetzen, Übersetzung beziehen sich auf die schriftliche Übertragung aus einer Sprache in die andere. Öffentlich bestellte und beeidigte Übersetzer übersetzen beispielsweise Geburtsurkunden, Verträge oder Gerichtsurteile. Technische Übersetzer übersetzen u.a. Bedienungsanleitungen und technische Dokumentationen. Literaturübersetzer übersetzen Prosa und Lyrik.
Bei den Begriffen Dolmetscher, dolmetschen handelt es sich um die mündliche Übertragung. Ein Vortrag wird von einem Simultandolmetscher (und seinem Partner, mit dem er sich abwechselt) beinahe zeitgleich gedolmetscht, meistens von einer schallisolierten Kabine aus oder mithilfe von einer tragbaren Dolmetschanlage. Ein Konsekutivdolmetscher übersetzt einen Vortrag Abschnitt für Abschnitt im Wechsel mit dem Redner. Für das Dolmetschen am Verhandlungstisch braucht man einen Verhandlungsdolmetscher, bei Behördengängen einen Begleitdolmetscher, etc.
Sprachmittler ist hingegen ein Sammelbegriff für Dolmetscher und Übersetzer, jemanden, der sprachlich vermittelt – mündlich, schriftlich oder sowohl als auch.
Soweit alles klar. Leider gibt es hier auch ein paar Ausnahmen, die aber natürlich nur die Regel bestätigen. Ein in Bayern Öffentlich bestellter und beeidigter Dolmetscher überträgt nicht nur mündlich, sondern auch schriftlich und ist nach dem Bayerischen Dolmetschergesetz zugleich auch ein Übersetzer. Hinter einem Sprachmittler kann sich manchmal auch ein nicht professioneller, meistens mündlich z.B. im Jugend- oder Sozialbereich übertragender Laie verbergen. Man sollte daher auf die entsprechende Qualifikationsmerkmale achten: Hochschulstudium, staatliche Prüfung, Beeidigung, fachliche Qualifikationen, Mitgliedschaft in Bundesverbänden, z.B. im BDÜ.
Vorsicht und genaues Hinschauen auf die Qualifikationen ist generell immer geboten, da diese Berufsbezeichnungen nicht geschützt sind und man auch auf einen selbsternannten Dolmetscher oder Übersetzer stoßen kann.

Im Polnischen ist die Sache übrigens etwas einfacher. Der allgemeine Begriff lautet tłumacz. Mit schriftlich und mündlich hat man die Möglichkeit, ihn zu präzisieren: tłumacz pisemny (Übersetzer), tłumacz ustny (Dolmetscher). Pośrednik językowy (Sprachmittler) ist dabei immer ein Laiendolmetscher.

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