Erfolgreich mehrsprachig aufwachsen: Vorteile, Hindernisse, Voraussetzungen

Während Erwachsene, die eine neue Sprache erlernen möchten, schnell an ihre Grenzen stoßen, fällt Kindern der Erwerb einer Sprache leicht. Kein Wunder, dass sich viele Eltern eine bilinguale Erziehung für ihre Kinder wünschen. Dem Kind mehrere Sprachen quasi in die Wiege zu legen, soll die späteren Berufschancen durch Mehrsprachigkeit erleichtern. Der Deutsche Bundesverband für Logopädie schätzt, dass rund 30 Prozent aller Kinder mehrsprachig aufwachsen.

Vorteile von Zweisprachigkeit im frühen Kindesalter

Früher rieten Experten von der bilingualen Kindererziehung ab. Es wurde befürchtet, dass das Kind schnell überfordert ist und im Erwachsenenalter beide Sprachen nicht richtig beherrscht. Doch diese Meinung ist überholt: Wie bambiona.de verrät, schaffen Eltern durch eine strukturierte, bilinguale Erziehung die ideale Basis dafür, dass das Kind im Jugend- oder Erwachsenenalter weitere Sprachen leichter erlernen kann. Außerdem zeigten verschiedene Studien und empirische Beobachtungen, dass bilingual aufgewachsene Kinder mehr Interesse für andere Kulturkreise aufbringen und sich besser in ihre Mitmenschen hineinversetzen können. In vergleichenden Tests mit einsprachig aufgewachsenen Kindern fielen ihre Leistungen besser oder gleichwertig aus. Außerdem soll der frühe Kontakt mit zwei verschiedenen Sprachen die Gedächtnisleistung beeinflussen. Klar: Das Kind muss spontan zwischen den Sprachen wechseln können und sich jeweils die benötigten Vokabeln und Grammatikregeln ins Gedächtnis bringen. Es ruft dabei unterschiedliche Sprachsysteme, samt ihrer dazugehörigen Betonung, Mimik und Gestik, aus dem Gedächtnis ab.

Mögliche Hindernisse bei der bilingualen Erziehung

Vorsicht bei zu viel Ehrgeiz: Zum stumpfen Vokabeltraining darf die bilinguale Erziehung nicht werden! Kinder sollten die zweite Sprache nebenbei erlernen, durch die normale Integration der Sprache in den Alltag. Daher empfehlen Experten auch, lediglich eine bilinguale Erziehung anzuwenden, wenn es sich bei beiden Sprachen je um die Muttersprache des Vaters oder der Mutter handelt. Wer eine Sprache selbst erst spät erlernt hat und diese seinem Kind vermitteln möchte, stößt vokabeltechnisch schnell an seine Grenzen. Außerdem erschwert dies die natürliche Kommunikation im Alltag, da manche Dinge vielleicht erst nachgeschlagen werden müssen. Weiterhin sollten die zu erlernenden Sprachen von beiden Elternteilen verstanden werden. Wenn der Vater dem Gespräch von Mutter und Sohn nicht mehr folgen kann und alles übersetzt werden muss, kann das die Akzeptanz des Kindes für die zweite Sprache negativ beeinflussen. Denn warum sollte es zwei Sprachen lernen, wenn die Mutter ohnehin alles übersetzt?

Wichtige Voraussetzungen für den Erfolg

Jedes Kind ist anders und profitiert demzufolge von unterschiedlichen Erziehungsmethoden. Manche Kinder sind für Neues zu haben, während andere sich gegenüber der bilingualen Erziehung rasch verschließen würden. Das hat nichts mit ihrer Intelligenz, sondern vielmehr mit ihrer Neugier und Aufnahmebereitschaft zu tun. Neben der Voraussetzung, dass das Kind eine gewisse Sprachbegabung und Offenheit aufweist, sollte bei der mehrsprachigen Erziehung Wert auf eine klare Trennung zwischen den Sprachen gelegt werden. Dass Kinder sie manchmal mischen, ist anfangs durchaus normal – Eltern sollten aber jeweils konsequent bei ihrer Muttersprache bleiben, wenn sie sich mit dem Sohn oder der Tochter unterhalten. So wird die ideale Basis dafür geschaffen, dass das Kind die Sprachsysteme klar trennen und später beliebig zwischen ihnen wechseln kann.

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