Kamien i co - die größte Wandmalerei Warschaus

Kamien i co – die größte Wandmalerei Warschaus

Im Zentrum Warschaus, umgeben von Hochhäusern, Restaurants und Hotels steht eine Ruine mit der, wie allgemein behauptet wird, größten Wandmalerei in der polnischen Hauptstadt. Das über 1400 m2 große Wandbild zeigt eine schwarze Aufschrift „kamien i co“ und einen roten, in der Luft schwebenden Luftballon. Es ist kaum zu übersehen und macht neugierig.

Kamien i co - die größte Wandmalerei Warschaus

Ruine aus dem Zweiten Weltkrieg

Die Wandmalerei befindet sich an einer Ruine eines im 19. Jahrhunderts erbauten und während des Zweiten Weltkrieges ausgebombten Mietshauses, welches während der deutschen Besatzung an der Grenze des Warschauer Ghettos lag. Das Warschauer Ghetto wurde nach dem jüdischen Aufstand 1943 durch die deutsche Besatzungsmacht zerstört, wie auch 1944 während des Warschauer Aufstands von der restlichen Stadt fast zu 90 % nur Trümmer übrigblieben. Die Ruine befindet sich in der ul. Waliców 14, die Wandmalerei ist aber von der ul. Grzybowska zu sehen. In der Zeit des Warschauer Ghettos wohnte in diesem Haus u.a der Dichter Władysław Szlengel.

Das Wortspiel

Die Aufschrift „Kamien i co“ ist auf Polnisch ein Wortspiel, welches zum Nachdenken über Erinnerung und Erinnerungsobjekte ermutigt.

kamień – Stein
kamienica – altes Mietshaus
kamień i co? – ein Stein und was? / ein Stein, na und?
kamienico – direkte Ansprache (Vokativ) an das Mietshaus, sozusagen „du, Mietshaus“

Der rote Luftballon

Das Bild erinnert an den französischen Kurzfilm „Der rote Ballon“ von Albert Lamorisse aus dem Jahre 1956. Es handelt sich hier um eine Geschichte von einer Freundschaft zwischen einem Jungen und einem von ihm gefundenen roten Luftballon in dem während der deutschen Besatzung zerstörten Nachkriegs-Paris.
In dem roten Luftballon der Warschauer Wandmalerei ist eine Spiegelung der Stadtpanorama versteckt (z.B. das Wahrzeichen Warschaus – der Kulturpalast) und die Farben rot und weiß könnte man vielleicht als Bezug zu der polnischen Nationalflagge interpretieren.

Der Autor

Die Wandmalerei stammt von Wiktor Malinowski. Das Projekt wurde 2009 von Teatr Delikates und Stowarzyszenie Kulturalne Pocztówka durchgeführt.

Die Wandmalerei mit dem roten Luftballon lässt zwangslos über Geschichte, Erinnerung und den Umgang mit Spuren der Geschichte nachdenken. Das Grundstück ist wegen der zentralen Lage als Immobilie ein echter Leckerbissen und es wurde durch verschiedene Bürgerinitiativen hartnäckig gegen Verkauf an Investoren verteidigt. Die alten geschichtsträchtigen Ruinen in diesem Stadtteil Warschaus verschwinden im schnellen Tempo. Von allen Seiten von modernen Hochhäusern umgeben, bildet die Ruine einen starken und einprägenden Kontrast zum modernen, wiederaufgebauten Warschau. Seit 2018 steht sie unter Denkmalschutz.

Einen sehr guten Blick auf die Wandmalerei bietet Aufenthalt im Hotel Ibis Styles. Hier ist auch das obere Foto entstanden.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.