Noch ist Polen nicht verloren oder das (subjektive) polnische ABC: G wie Grunwald

G wie Grunwald -

Grunwald ist im Polnischen ein wichtiges Stichwort, welches sowohl für die Selbstwahrnehmung der Polen, als auch für die deutsch-polnischen Beziehungen von Bedeutung ist. Im Juli 1410 fand bei Grunwald (in Deutschland als Schlacht bei Tannenberg bekannt ) eine große Schlacht statt. Auf der einen Seite die vereinten polnischen und litauischen Truppen unter König Władysław Jagiełło, auf der Gegenseite die verhassten und nach immer mehr Einfluss und Boden strebenden Kreuzritter (Ritter des Deutschen Ordens). Der spektakuläre Sieg der polnisch-litauischen Armee über den Kreuzritterorden wurde zu einem wichtigen Bestandteil des polnischen kollektiven Gedächtnisses. An diesen Triumph erinnerte man sich besonders gerne in der Zeit der Teilungen Polens, in der Polen durch Preußen, Österreich und Russland annektiert wurde und für über 120 Jahre von der Landkarte Europas verschwunden war, sowie während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Ein wichtiges identitätsstiftendes Symbol und Mythos in den Zeiten des Kampfes um die Wiedererlangung der polnischen Unabhängigkeit, auch wenn die Zusammensetzung der Siegestruppen in der Wirklichkeit ziemlich international war.

Für Paul von Hindenburg war die Niederlage aus dem Jahre 1410 offensichtlich noch so schmerzhaft, dass er die deutsch-russische Schlacht 1914, welche sich in der Nähe von Allenstein abspielte und der deutschen Seite einen Sieg einbrachte, für Propagandazwecke in „Schlacht bei Tannenberg“ umbenennen ließ.

Heute ist der Ort der Schlacht besonders im Juli, wenn die Schlacht von vielen internationalen Geschichtsliebhabern nachgespielt wird, einen Besuch wert. Aber auch das ganze Jahr durch hat das Muzeum Bitwy pod Grunwaldem / Museum der Schlacht bei Tannenberg einiges zu bieten (auch wenn die deutsche Version der Website ziemlich verbesserungswürdig ist).
Und die Masuren mit der schönen Natur und der Masurischen Seenplatte sind sowieso ein durchaus empfehlenswertes Urlaubsziel.

*Mit den Worten „Noch ist Polen nicht verloren” (Jeszcze Polska nie zginęła) beginnt die polnische Nationalhymne Mazurek Dąbrowskiego.
Im Deutschen wird mit diesem Satz zum Ausdruck gebracht, dass eine fast hoffnungslose Situation doch noch gerettet werden kann (jegliche Ähnlichkeit mit der polnischen Geschichte sowie der Geschichte rund um die polnische Nationalhymne ist hier selbstverständlich kein Zufall).

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